Margrit's Vogel Tagebuch

Margrit Gadola berichtet auf dieser Seite regelmässig von ihren Erlebnissen die sie während ihrer Tätigkeit als Anlaufstelle für verletzte Vögel erlebt.

 

Seit ca. 1974 pflegt sie alle Arten von Vögeln. Aus dem ganzen Zürcher Oberland gelangen gefallene Jungvögel nach Egg. Singvögel werden an die Volieren Mythenquai und Seebach weitergeleitet. Greifvögel kommen in die Greifvogel Station Berg am Irchel. Margrit betreibt mit viel Fachwissen jeden Sommer eine «Krankenstation» für junge Mauersegler.



27. Januar 2021

Da bringt mir doch eine Frau mitten im Winter eine Wachtel! Sie kauerte vor ihrer Haustüre. Der Vogel ist unverletzt, gut genährt und sehr lebendig. Er ist wahrscheinlich aus einer Zucht, also ein Gefangenschaftsflüchtling. Der Tierrettungsdienst hat ihn in die Voliere Mythenquai gebracht.



23. Januar 2021

In der Nähe der Badi Gossau hat eine Katze eine Bekassine erwischt und sie nach Hause gebracht. Der Vogel ist verletzt.

 

Trotz sofortiger Behandlung mit Antibiotika in der Voliere Mythenquai ist der Vogel gestorben.



20. Januar 2021

Ein drittes Scheibenopfer! Ein Falkenmännchen! Es ist auf dem Weg nach Berg am Irchel gestorben.

 



20. Januar 2021

1 Rotmilan erhalten, er ist mit dem Tierrettungsdienst zu Andi Lischke (https://greifvogelstation.ch/ ) transportiert worden. Das Scheibenopfer ist verwirrt und klopft mit dem Kopf von Zeit zu Zeit gegen sein Spiegelbild.



19. Januar 2021

Eine Waldohreule, auch sie ein Scheibenopfer. Sie sollte eigentlich auch nach Berg am Irchel……. Er hat sich nach kurzer Zeit erholt und ist davongeflogen.

 



18. Juli 2020

Mauersegler brüten gerne unter Dächern. Im Sommer, an warmen Tagen, ist es für sie zu heiss unter dem Dach. Sie spazieren deshalb an die Flugöffnung und fallen dann auf den Boden.

«Wir haben eine Mauersegler-Kolonie an unserem Haus. Jetzt liegen zwei Nestlinge am Boden, darf ich sie bringen?» fragt mich ein Mann aus Bauma.

Der Anrufer kommt mit den Vögeln und seinen  10- und 12-jährigen Knaben vorbei. Die beiden löchern mich mit Fragen,  manchmal recht schwierig zum beantworten.

Am Tag darauf bringt die Familie nochmals einen Pflegling. Cedric, der jüngere Knabe hält die Schachtel mit dem Vogel fest in seinen Händen und streichelt das Vöglein auf  dem Frotteetuch. Dieses bewegte sich ganz seltsam. Auf meine Frage  antwortet Cedric vorwurfsvoll: «S letscht Jahr häsch doch xeit, wänn d Vögeli so chlii sind, söll ich ä warmi Bettfläsche i d Schachtle ine legge». Kinder sind wunderbare Beobachter und Zuhörer. Auch nach einem Jahr wissen sie genau, was ich gesagt habe und handeln darnach.



15. Juli 2020

Eine Frau aus Schuls ruft mich an, sie hätten einen jungen Mauersegler gefunden, ob ich ihr helfen könnte. Eine Auffangstation für Vögel war weit und breit nicht vorhanden. Die Frau, Ehegattin eines Wildhüters, war so fasziniert vom jungen Mauersegler, dass sie sich entschloss, ihn nach meinen genauen Anweisungen selbst aufzuziehen – erfolgreich! Der Kleine konnte nach gut zwei Wochen in die Freiheit entlassen werden.

Die Familie entschied sich im Nachhinein, an ihrem im Bau befindlichen Wohnhaus Nistkästen zu montieren. Und vielleicht entsteht in Zukunft dort sogar eine Mauersegler-Station.



14. Juli 2020

Nach fünf Wochen füttern waren vier junge Mauersegler bereit zum Freilassen. In der Schulanlage Zentrum Egg  haben wir verschiedene Seglerkasten montiert, deshalb entliessen wir die vier auf dem nahegelegenen Sportplatz in die Freiheit (Mauersegler kommen immer wieder an den Ort zurück, wo sie das Nest verlassen haben oder wo sie freigelassen wurden). Die ersten drei hatten einen wunderbaren Start und flogen übers Fussballfeld in die Freiheit.

Der vierte war ein Faulpelz, er flog wenig über dem Boden in eine Hecke. Er sah die Katze im Gebüsch nicht……. Aber sie sah ihn und – zack – war der kleine Segler in ihren Krallen.

Auch nach langem Suchen fanden wir weder Katze noch Vogel. – Ein kurzes dramatisches Seglerleben!



12. Juli 2020

Zwei ganz junge «Mädis» bringen mir einen Mauersegler. «Im allgemeinen hängen wir die Wäsche immer draussen auf. Heute wollten wir sie im Estrich trocknen lassen – und da kauerte wahrhaftig dieser kleine Mauersegler in einer Ecke. Wir packten ihn ein, da ist er! Und er heisst «Föiferli»??? Neben dem Fundort glänzte ein Fünfrappenstück, ein «Glücksföiferli». Deshalb haben wir ihn so getauft».



10. Juli 2020

Das war Hugo!

Im Estrich einer Werkhalle in Schindellegi ist ein kleiner Mauersegler im wahrsten Sinne des Wortes die Treppe hinuntergefallen und kauert hilflos in einer Ecke.

Mein Mann fährt nach Schindellegi, um den Kleinen zu holen. Der Mechaniker lässt ihn aber nicht so schnell gehen. Engagiert wie er ist erzählt er Hanspeter die ganze, etwas längere Geschichte, wie, wo, weshalb und überhaupt er den Nestling gefunden hat.

Als Hanspeter mit dem Pflegling fortfahren will, ruft ihm der Mechaniker nach: «Uebrigens, der Kleine heisst im Fall Hugo, er hört auf seinen Namen».



4. Juli 2020

Anruf einer jungen Bäuerin:«Ein junger, noch nicht flugfähiger Turmfalke trampelt in unserem Kälberstall herum». Wir nehmen ihn nach Hause und suchen einen Pflegeplatz bei Steven Diethelm in Lachen. Er gibt uns folgenden Rat:"Bringt den Falken zurück und hebt ihn auf eine höhere Ebene. Die Eltern werden ihn weiterfüttern. – Ja und die Katzen ? – Die haben keine Chance. Kleine Falken legen sich auf den Rücken, fauchen und stellen ihre Krallen".

Zur Probe haben wir uns mit den Händen dem Kleinen genähert. Das Resultat: Fauchen und Krallen heraus. Ich hätte meine Hände kein zweites Mal hingehalten.

Gesagt, getan. Wie uns erklärt wurde, heben wir den jungen Falken auf einen erhöhten Platz. Aber er bleibt nicht lange dort oben und fliegt auf die Wiese. Dort füttern ihn die Alten mit Heuschrecken und sonstigem Getier.

Nach einem weiteren Tag  fliegt er mit seinen Eltern und seinem kleinen Geschwisterchen am Himmel von Hinteregg.



29. Mai 2020

Auf dem Schulwege nach Hause findet ein Knabe ein Wasseramsel-Nest mit fünf Jungen. Das Nest, ursprünglich unter einem Wasserfall, wurde weggespült  und verfing sich im Ufergebüsch.

Der Knabe bringt mir die jungen Wasseramseln,  und mit dem Tierrettungsdienst werden sie in die Voliere Mythenquai transportiert.

Nach einer Woche können sie ausgewildert werden.



28. Mai 2020

Aus der Gemeinde Gossau bringt mir ein Ehepaar einen Starenkasten mit 5 praktisch flüggen Jungen. Sie fanden den Kasten am Boden, von den alten weit und breit keine  Spur. Sanft öffne ich ihn und – flugs sind alle 5 weggeflogen.



19. Mai 2020

Eine Frau ruft mich von der Forch aus an und erklärt mir:" In meinem Blumentopf piepst es". Also nichts wie los zur gegebenen Adresse. Da steht sie, die piepsende Blumenvase. Die Oeffnung oben 6 cm, die Höhe der

Vase ca. 30 cm.

Bei unserem Besuch können wir beobachten, dass ein Kohlmeisenpärchen abwechslungsweise in die Öffnung schlüpft und die bettelnden Jungen füttert. Wir lassen die Kohlmeisenfamilie in Ruhe, denn sie sind ja gut geschützt.

Nach ca. einer Woche sind die Kleinen durch die Oeffnung in die Freiheit geflogen.



17. Mai 2020

Ein alter Meisenkasten genügt nicht…….

Anruf einer Dame aus Stäfa. In ihrem Garten liegt ein durch Elstern zerstörtes Nest, daneben vier Rotschwänzchen, die Eltern fliegen nervös hin und her. Da ist sofortiges Handeln gefragt. Auf meinen Rat hin legte sie die vier in einen alten Meisenkasten.

Und dann kommt für mich die tolle Ueberraschung. Am andern Morgen besorgt sich die Frau ein Beutelmeisen-Nest, legt die Kleinen hinein, hängte das Nest an einen Feigenbaum und wartet. Keine zehn Minuten später, füttern die Alten weiter, als ob nichts geschehen wäre.

Stolz und glücklich telefoniert mir die Frau und sendet mir Fotos der geglückten Aktion.

Nach zehn Tagen fliegen die flügge gewordenen Vögelchen aus.



15. Mai 2020

Telefonanruf der Polizei: Sie haben in einer Schachtel 5 kleine Stockenten. Die Entenmutter sei von einem Auto angefahren worden und verstorben. Ob sie die Kleinen bringen könnten? Was tun mit 5 kleinen Entchen?

Ob sie wohl in der Silberweide eine Mutter mit ungefähr gleichaltrigen Jungen haben? Sie haben…..  Wir bringen die Küken der Adoptivmutter, welche die Neulinge sogleich annimmt, zusammen mit ihren 6 «Kindern» eine Grossfamilie.

Erleichtert verlassen wir die Silberweide. Zuhause erwartet uns ein nochmaliger Anruf der Polizei, zwei weitere Küken wurden gefunden. Sofort brachten wir sie der Entenmutter, welche auch diese zwei Entchen adoptiert.

Und zum Schluss das Schönste: Alle 13 haben überlebt.



15. Januar 2020

Winter, Schnee, eisig, Strassen gesalzen. Ich erhalte vier Fichtenkreuzschnäbel, alle vom gleichen Ort aus der gleichen Strasse nahe Lachen. Ein zusätzlicher flog in ein Auto, er ist sofort tot. Das ist für mich alles sonderbar, alles Fichtenkreuzschnäbel, alle am selben Ort….

Auf die Nachfrage bei der Vogelwarte Sempach erhalte ich  einen interessanten Bescheid. – Diese Vögel brauchen einen bestimmten Prozentsatz an Salz, das sie im Winter auf der gesalzenen Strasse finden. Deshalb diese Häufung eines eigentlich seltenen Vogels.

In einem alten Vogelbuch habe ich dann folgendes gefunden: Ernährung des Fichtenkreuzschnabels: Samen aller Art, Knospen, kleinere Insekten… Im Winter werden häufig Mineralstoffe in Form von Salpetersäure von altem Verputz am Mauerwerk abgekratzt.



17. Dezember 2019

Ein Haubentaucher, am Bein verletzt, spaziert humpelnd auf der Hauptstrasse in Pfäffikon ZH. Der Polier einer nahegelegenen Baustelle legt ihn in eine Schachtel und fragt mich um Rat.

Der Vogel ist stark verletzt, und ich bat den Mann, ihn ins Tierspital zu bringen. Engagiert wie er ist, setzt er sich ins Auto und ab ins Tierspital.

Die Diagnose ist allerdings alles andere als schön: Der Fuss des Haubentauchers war in die Schraube eines fahrenden Schiffes geraten  und diese hackte ihm denselben ab. – Er muss eingeschläfert werden.



3. August 2019

…..nichts gelernt! Am selben Ort, auch bei Sonnenschein und gutem Wind, wollen wir einen für dieses Jahr letzten Mauersegler-Zögling auf die weite Reise nach Südafrika schicken. Wir entlassen ihn mit den besten Wünschen.

Und wie die Wiederholung eines bösen Traumes kommt von hinten der Falke, diesmal ist's ein Baumfalke – und dann ist Schluss mit lustig.

Drei Stunden später erzählt mir eine Kollegin voller Stolz, sie hätte gerade auf einer Exkusion in der Unteren Halde einen Baumfalken gesehen, das sei eine Sensation!



10. Juli 2019

Das passiert, wenn man nicht genau hinschaut:

In einem Feld oberhalb der «Oberen Halde» wollen wir (Hanspeter und ich) einen jungen Segler in die Freiheit entlassen. Die Sonne scheint, der Wind ist gut. Und nun, auf die Reise kleiner Vogel!

Er dreht ein paar Runden, um tschüss zu sagen. Plötzlich saust ein Turmfalke aus der naheliegenden Hecke heran. Er packt den Vogel, fliegt mit ihm auf einen dürren Birnbaum und verspeist sein Opfer mit Genuss. – Der Kleine ist nach sechs Wochen Pflege gut genährt……

Nach unserem Schock müssen wir uns damit trösten, dass die Natur so ist, und dass der Falke auch an seine Jungen im Bühlholz denken muss.